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Auch Arbeitgeber profitieren vom Betriebsrat

Erschienen am 05. Februar 2008 | dpa/tmn
Der Betriebsrat hilft der Belegschaft, die Situation besser einzuschätzen (Foto: gms/Roland Weihrauch)
Der Betriebsrat hilft der Belegschaft, die Situation besser einzuschätzen (Foto: gms/Roland Weihrauch)
Betriebsräte sind in den meisten deutschen Unternehmen eine Institution. Zwar sind sie in Zeiten der New Economy in der IT-Branche etwas aus der Mode gekommen. Doch zahlreiche Studien belegen, dass die so genannte betriebliche Mitbestimmung gut ist - für Arbeitnehmer und Arbeitgeber gleichermaßen. "Der Betriebsrat kann helfen, Vertrauen zwischen Mitarbeitern und Geschäftsführung aufzubauen", sagt Uwe Jirjahn, Wirtschaftswissenschaftler an der Universität Hannover.

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Betriebsrat vermittelt neue Strategien

Die Mitarbeiter seien produktiver, flexibler und innovativer, wenn zwischen ihnen und der Chefetage der Betriebsrat steht. "Betriebsräte sind Vertrauenspersonen, die dem Management ermöglichen, neue Strategien zu vermitteln - positiv oder negativ", sagt Thomas Zwick vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim. So könne eine Geschäftsführung beispielsweise Sparmaßnahmen in Unternehmen, die keinen Betriebsrat haben, nur schwer an den Mann und die Frau bringen. "Gibt es betriebliche Mitbestimmung, sind die Angestellten eher bereit, Entscheidungen mitzutragen - auch wenn sie wehtun."

Von beiden Seiten anerkannt

Arbeitnehmer und Arbeitgeber stehen an zwei extrem gegensätzlichen Polen: "Der Chef will, dass man viel arbeitet und wenig kostet. Der Arbeitnehmer hingegen will möglichst wenig für viel Lohn arbeiten." Das sei grundsätzlich das Problem - und das Spannungsfeld, in dessen Mitte sich die Betriebsräte befinden." Aber sie sind von beiden Seiten anerkannt und akzeptiert", sagt Zwick. Und: "Der Betriebsrat hat eine Pufferfunktion, die ganz wichtig ist." In vielen Bereichen haben die Arbeitnehmervertreter ein Mitspracherecht: sowohl in der Arbeitsorganisation, bei der Vergabe von Fortbildungen als auch bei Kündigungen und Neueinstellungen.

Betriebsrat als Nebenjob

Großer Vorteil der Betriebsräte ist zudem, dass sie aus dem Kreis der Arbeitnehmer kommen. "Damit haben sie ein besseres Verständnis der einzelnen Bereiche als das Management", sagt Zwick. Ein großer Teil der Betriebsräte arbeitet noch immer in den angestammten Abteilungen und führt seine Arbeit in der betrieblichen Mitbestimmung quasi als Nebenjob aus. Andere sind freigestellt, um sich ausschließlich um die Belange der Mitarbeiter zu kümmern.

Unternehmen mit Betriebsrat zahlen höhere Löhne

Der Ökonom Bernd Frick aus Witten nennt die Mitbestimmung ein "Erfolgsmodell". Die Forscher vom ZEW haben außerdem herausgefunden, dass Unternehmen mit Betriebsrat deutlich höhere Löhne zahlen. "Bei vergleichbaren Unternehmen liegen die Löhne im Schnitt um gut zehn Prozent höher", sagt Zwick. Zudem ist die sogenannte Lohnspreizung geringer, der Unterschied zwischen den Vergütungsgruppen also. "Davon profitieren die unteren Lohngruppen stärker als die oberen", sagt Zwick. Dabei, so beweist die ZEW-Studie, schöpfen die Arbeitnehmer in diesen Betrieben keinen größeren Anteil am Gewinn ab. "Der Großteil des Lohnaufschlags ist eher auf eine höhere Produktivität der Beschäftigten zurückzuführen."

Unternehmen mit Betriebsrat sind produktiver

Denn Wirtschaftsforscher Uwe Jirjahn hat herausgefunden, dass Unternehmen mit Betriebsrat oft überdurchschnittlich produktiv arbeiten: "Je weniger Verteilungskämpfe auf Unternehmensebene auszufechten sind, desto besser gelingt die Zusammenarbeit zwischen Arbeitnehmervertretern und Management, wenn es darum geht, Produkte oder Produktionsabläufe zu verbessern oder Marktanteile zu erobern." Besonders gut funktioniere dies bei Unternehmen, die neben dem Betriebsrat auch Tarifverträge haben, "weil Verteilungskonflikte so stärker aus der betrieblichen Ebene herausgenommen werden".

Unternehmen haben weniger Personalfluktuation

Die Personalfluktuation ist in mitbestimmten Betrieben zudem geringer, gleichzeitig sind die Chefs eher gewillt, ihren Mitarbeitern Weiterbildungen zu genehmigen. Die Arbeitnehmer wiederum sind in diesen Unternehmen eher bereit, eine leistungsorientierte, variable Vergütung zu akzeptieren. "Sie haben den Eindruck, dass der Betriebsrat sicherstellt, dass sie dabei nicht von der Firmenleitung übervorteilt werden", sagt Zwick.

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Stabiles Phänomen

Galten die Betriebsräte häufig als der verlängerte Arm der Gewerkschaften in die Firmen hinein, ist dieses Verhältnis inzwischen nicht mehr so selbstverständlich. Besonders bei Start-up-Unternehmen wurde die betriebliche Mitbestimmung oft belächelt. Stellt sich dort allerdings Routine ein, wird auch bei vermeintlich familiären Firmen der Ruf nach einem Betriebsrat lauter. Betriebsräte seien ein relativ stabiles Phänomen, sagt Jirjahn. Abschaffung und Einrichtung seien sehr selten. Lange ohne Betriebsrat kam der Softwarehersteller SAP aus - bei der Drogeriekette Schlecker gibt es noch immer keinen.

In größeren Firmen besteht Anspruch auf Betriebsrat

Betriebsräte können laut Gesetz in Unternehmen mit mehr als 30 Mitarbeitern eingerichtet werden. Der Wunsch eines einzigen Angestellten nach betrieblicher Mitbestimmung reicht dann in der Regel, damit die Geschäftsleitung darauf eingehen muss. "Der Schritt muss von der Belegschaft ausgehen, aber die Hürden sind sehr gering", sagt Thomas Zwick vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim. Fast alle großen Firmen mit mehr als 250 Angestellten haben Betriebsräte - allerdings hat nur noch ein gutes Drittel der Unternehmen mit weniger als 100 Mitarbeitern Arbeitnehmervertreter.

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Quelle: dpa/tmn
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